Heimzone

Ein Schäferhund auf einen Podest, die Überreste einer abgebrannten Bar ,Obdachlose, das Legolandmodel der Stadt Frankfurt a. M. ,eine Neubausiedlung am Rande eines Feldes – was das alles miteinander zu tun hat , erschließt sich auf den ersten Blick nicht so leicht. „ Es geht mir um die unterschiedlichen Aspekte von Heimat und Erinnerung“, erklärt Andreas Neumann, Urheber all jener Fotografien, die an diesem Wochenende in der Galerie 61 zu sehen sind. Der erste Eindruck eines Bizarren Panoptikums wild zusammen gewürfelter Portraits und Panoramen trügt also. Andreas Neumann, aufgewachsen in der gutbürgerlichen Idylle einer hessischen Dorfgemeinde, begibt sich mit der Kamera auf die Spur seiner ganz persönlichen Identität. Aus seiner Herkunft, Freunden, zufälligen Bekanntschaften, seiner Liebesbeziehung und seinen Träumen generiert der 37 jährige eine persönlich gefärbte künstlerische Heimat.Der Clou: Mal handelt es sich um authentische Bilder und Schnappschüsse, mal sind die Szenarien gestellt. Das spiel mit Täuschung und Wirklichkeit treibt Andreas Neumann bisweilen auf die spitze: Was echt wirkt, ist künstlich und umgekehrt. Authentisch sind indes die Erinnerungen und Gedanken, die Neumann in seiner Fotografie zum Ausdruck bringt. Wenn er etwa gestrauchelte Menschen portraitiert, dann „ weil einem so etwas jederzeit auchpassieren kann“. Der Faktor „ Erinnerung – gelebtes Leben“ erfährt durch die Art der Rahmung der Werke noch eine Verstärkung, indem Neumann alte Rahmen vom Flohmarkt verwendet. Macken und Gebrauchsspuren erzählen ihre eigene Geschichte. Ein Buch zu der Ausstellung ist einsehbar und vervollständigt die akademische Abschlussarbeit.

Von Uta Jostwerner ( Westfalen-Blatt )